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Privatkunden zahlen mehr, Industrie weniger

Der Strompreis steigt und steigt – zumindest für den privaten Verbrauch. Die Energieriesen haben den Preis für einen Durchschnittshaushalt wieder einmal erhöht. Doch es gibt auch Gewinner....

Im Jahr 2009 zahlte eine dreiköpfiger Haushalt im Schnitt 67,70 Euro oder 4,55 Euro mehr als im Jahr 2008. Das geht aus den unveröffentlichten Unterlagen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. Die allgemeine Teuerungsrate lag in dem Zeitraum nur bei 0,5 Prozent, die Preise für Öl und Gas gingen sogar zurück.

Im Jahr 2000 zahlte eine dreiköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden noch 40,66 Euro pro Monat. Das bedeutet einen Preisanstieg bis heute um mehr als 55 Prozent. Der Strompreis ist damit 2009 auf den höchsten Stand seit der Freigabe Ende der 90er-Jahre gestiegen und wird weiter steigen.

Branche besänftigen

Erst am Montag hatte der BDEW auf der Hannover Messe mitgeteilt, dass Industrieunternehmen derzeit bei Neuverträgen rund 26 Prozent weniger für Strom zahlten als noch im Oktober 2008. Verbandschefin Hildegard Müller hatte den Widerspruch zum Preisanstieg bei Privatkunden damit erklärt, dass die Versorger an der Leipziger Strombörse Strom für Haushalte zum Großteil ein bis zwei Jahre im Voraus kauften. Sie hätten sich eingedeckt, als dort die Preise noch hoch gewesen seien.

Müller sagte auch, langfristig würden in Privathaushalten die Preise fallen, wenn die Großhandelspreise an der Börse niedrig blieben. Die fallenden Preise für Industriekunden würden nur bei Neuabschlüssen von Lieferverträgen gelten, sagte sie. Im Jahr 2009 ist der Stromverbrauch bis Ende März schon um vier Prozent zurückgegangen.

Kartellamt eingeschaltet

Das Bundeskartellamt geht seit vergangener Woche dem Verdacht nach, dass die großen Unternehmen durch absichtliche Verknappung der Strommengen die Preise an der Leipziger Strombörse EEX und im Großhandel zulasten der Verbraucher künstlich verteuert haben könnten. Die 60 größten Unternehmen der Branche müssen der Behörde bis zum 6. Mai Auskunft über Kosten der Stromproduktion, die Einsatzplanung der Kraftwerke und ihr Angebotsverhalten auf den Großhandelsmärkten in den Jahren 2007 und 2008 geben.

Hintergrund: Rund 80 Prozent der deutschen Stromproduktion liegt in der Hand von nur vier Konzernen, nämlich RWE, E.on, Vattenfall und EnBW. Verbraucherschützer sehen darin einen der Hauptgründe für die hohen Strompreise in Deutschland.

Der BDEW erklärt den massiven Anstieg der Strompreise über die Jahre mit hohen staatlichen Abgaben auf Energie: Der Betrag für Steuern und Abgaben wuchs seit 1998 pro Musterfamilie von gut zwölf Euro auf 26 Euro. Damit gingen 40 Prozent der Stromrechnung einer Familie an den Staat, hieß es. ott/AP





 

 
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